Commodore SR 1540

Der SR 1540 von Commodore aus dem Jahr 1975 ist ein zehnstelliger technisch-wissenschaftlicher Tischrechner mit Digitronanzeige. Er ist etwa 28,5 * 20,5 * 8 cm (B*T*H) groß und wiegt ohne Netzkabel 1835 g, also gerade doppelt so viel wie die Rockwell Anita 1041!

Mit seinem futuristischen Aussehen wäre der SR 1540 ein wunderbares Requisit für Mr. Spocks wissenschaftliche Konsole gewesen.

Commodore SR 1540 Seite
Commodore SR 1540

Commodore SR 1540 Typenschild
Commodore SR 1540 Anzeige
Die Anzeige ist ziemlich hell und zeigt eine zehnstellige Mantisse und einen zweistelligen Exponenten.  Intern wird mit einer zwölfstelligen Mantisse gerechnet.
Der Punkt ganz rechts in der Anzeige deutet an, daß der Rechner sich gerade in der RAD-Betriebsart befindet. Die Betreibsart wird mit der Taste d/r umgeschaltet. Dabei wird auch der Inhalt der Anzeige zwischen Grad und Radiant umgerechnet.

Neben den üblichen Winkel-. Logarithmus- und Potenzfunktionen und ihren Umkehrungen besitzt der SR 1540 auch statistische Funktionen, Umrechnung polar <-> rechtwinklig, zwei (nichtsaldierende) Speicher und die Commodore-typischen Tasten zur Erhöhung und Erniedrigung des Exponenten. Er bietet einfache Klammern an, die man immerhin als Ersatz für die fehlende Punkt- vor Strichrechnung nutzen kann.

Die Platine des SR 1540 wird im Bereich hinter der Anzeige, wo das Netzteil untergebracht ist, von einem Metallrahmen verstärkt, der seinen Teil zum Gewicht des Rechners beiträgt.

Die Tastatureinheit ist über zwei Stecker mit der Hauptplatine verbunden und kann abgenommen werden. Die Tasten, von genau der gleichen Art wie die in den ersten Ausgaben des Pet 2001, wären eines Taschenrechners würdig, sind für einen Tischrechner aber nicht so überzeugend. Der Kontrast zwischen blauem oder grauem Tastenhintergrund und grauer Beschriftung ist völlig unzureichend. Beim Tippen ist auch wegen der geringen Größe der Tasten einige Sorgfalt nötig.

Auch die Digitronanzeige wird von einem Metallrahmen geschützt. Sie hat 14 Ziffernstellen und links davon eine Stelle mit einem Minuszeichen, einem Fehlerzeichen und zwei Speicherbelegungsanzeigen. Der SR 1540 benutzt diese linke Stelle aber gar nicht. Für das Minuszeichen nimmt er nämlich das Mittelsegment der ersten Ziffernstelle, im Fehlerfall erscheint hier "E". Eine Belegung der Speicher zeigt er überhaupt nicht an. Die nächsten zehn Ziffernstellen sind die Mantisse, dann kommt eine Ziffernstelle mit dem Exponentenvorzeichen und schließlich die beiden Exponentenstellen.

Die Logik des SR 1540 sitzt unter der Tastatur. Als Rechnerbaustein wurde teils ein Commodore GHU-02A (etwa in der Seriennummer 00433), teils ein GHU-03A (etwa in der Seriennummer 03186) eingesetzt. Beide sind auch in Commodore-Taschenrechnern zu finden. Der Calculator Forensics Test liefert 9.00035889514 für den GHU-02A und 9.00203263447 für den GHU-03A.

Links davon ist ein weiterer Commodore-Schaltkreis, nämlich ein KGHU-01W. Er hat vielleicht etwas mit der Tastaturabfrage zu tun. Rechts sieht man vier Rohm BA615, die offensichtlich die Anzeige ansteuern. Es gibt auch Varianten des SR 1540 mit anderer Anzeige und anderen Treibern.
Commodore SR 1540 innen

Commodore SR 1540 Tastatur

Commodore SR 1540 Digitronanzeige

Commodore SR 1540 Hauptplatine

Verweise:
www.voidware.com
Ein SR 1540 mit einer anderen Digitronanzeige und auch anderen Treiberbausteinen.
www.devidts.com
Der SR 1540 von Serge Devidts.
www.arno-schmidt-stiftung.de
Arno Schmidt war offensichtlich vom SR 1540 begeistert, denn er besaß zwei Exemplare davon und in Julia, oder die Gemälde wird einer zum Prüfen von Logarithmentafeln benutzt ("Nino's Computerlein") und ist sogar abgebildet (vermutlich ein Schnipsel aus dem Neckermann-Katalog). Schmidts SR 1540 können in seinem Wohnhaus in Bargfeld besichtigt werden.

Rechenkasten Technisch-Wissenschaftliche Markus Sigg, letzte Änderung: 23.9.2007, Historie