Olympia CD 602

Der technisch-wissenschaftliche CD 602 von Olympia aus dem Jahr 1974 steckt im gleichen  20,5 * 20,5 * 7 cm (L*B*H) großen, durch Schnappverschlüsse zusammengehaltenen Pultgehäuse wie seine Verwandten CD 402, CD 502 und CD 603, siehe auch die Übersicht Olympia CD 402,502,602,603.

Der CD 602 hat eine nur achtstellige Digitronanzeige und keine Exponentendarstellung.  Für einen wissenschaftlichen Tischrechner ist das ganz schön schwach. Der Calculator Forensics Test liefert auch nur das bescheidene Ergebnis 10.4382. Der CD 602 hat nur die Grundfunktionen eines wissenschaftlichen Rechners und weder hyperbolische Winkelfunktionen noch statistische Funktionen. Er kann im Bogenmaß oder in Grad rechnen.

Olympia CD 602 84.361-0001.9 Typenschild
Olympia CD 602 84.361-0001.9 Typenschild
Olympia CD 602
Dieser Olympia-Rechner ist übrigens auch von Quelle vertrieben worden, und zwar unter dem eigentümlichen Namen Privileg ESR Diplom.

Das vorliegende Gerät wurde in Deutschland gebaut und hat wie die frühen Varianten des CD 402 und des CD 603 an der Gehäuseunterseite und an der Rückseite die Aufschrift "Made in Western Germany". Der CD 602 trägt auch noch den Modellnamen RD 6/1 und die Modellnummer 84.361-0001.9. Es ist noch nicht bekannt, ob es wie bei den anderen Familienmitgliedern auch spätere, im Ausland gefertige Exemplare gibt. Der Modellname 6/1 läßt, wenn man ihn wie die Angaben beim CD 402 und beim CD 502 deutet, eigentlich erwarten, daß der CD 602 sechs Stellen Rechengenauigkeit und einen Speicher besitzt. Das mit dem Speicher stimmt ja, aber die Zahl 6 läßt sich so nicht erklären.

Zwar hat auch der CD 602 wie seine Verwandten eine Auszeichnung des IF Design bekommen, nämlich im Jahr 1975, aber für seine Tastatur hat er das nicht unbedingt verdient. Mit den Lücken im Tastenfeld und den breiten Speichertasten nebst doppeltbelegten Zifferntasten sieht diese nämlich etwas mißraten aus. Man fragt sich, wie es dazu gekommen ist.

Olympia CD 602 Tastatur

Die Tastenkappen sind anders gestaltet als die beim CD 402 und beim CD 502, arbeiten aber wie jene mit dem Playmobil-Verfahren.
Olympia CD 602 Tastatur

Olympia CD 602 Taste C
Die Digitronanzeige, eine Futaba 9-MR-01, ist gesockelt und hat acht Ziffernstellen und links eine Stelle für Minuszeichen, Fehleranzeige und Speicherbelegungsanzeige. Die letztere wird vom CD 602 nicht benutzt. Im Fehlerfall leuchtet aber das "E" in dieser linken Stelle. Nach einem Überlauf bei einer Multiplikation kann man nach dem Drücken von "C" mit den ersten acht Stellen des Ergebnisses weiterrechnen.

Olympia CD 602 84.361-0001.9 Anzeige Olympia CD 602 84.361-0001.9 Hauptplatine

Der integrierte Schaltkreis auf der Hauptplatine ist ein Rockwell A4001 15471PA 7429. Man findet auch die Variante A4001 15471PC. Und damit wird auch die merkwürdige Tastaturbelegung verständlich: Der A4001 ist nämlich eigentlich ein Taschenrechnerschaltkreis, der für sehr kompakte Taschenrechner mit Doppelbelegung der Zifferntasten gedacht ist.
Eine ganze Reihe von Taschenrechnern benutzen Varianten des A4001. Alle haben sie 26 Tasten und genau die gleiche Tastenbelegung wie der CD 602. Der elite 5000TM mit einem A4001 15471PC, der Unisonic 799 mit einem A4001PC und der Santron Santronic 81SR mit einem A4001 4F sind nur zwei von vielen Beispielen.

elite 5000TM elite 5000TM innen Unisonic 799 Unisonic 799 innen Santronic 81SR Santronic 81SR innen

Es gibt aber noch weitere Rockwell-Schaltkreise für kompakte achtstellige wissenschaftliche Taschenrechner. Der A4002 hat die gleichen Funktionen, liefert das gleiche forensische Ergebnis 10.4382 wie der A4001 und hat ebenfalls keine Exponentendarstellung, hat aber eine andere Tastenbelegung und kommt durch mehr Doppelbelegungen mit nur 20 Tasten aus. Beispiele hierfür sind der protronic Model 212 mit einem A4002CA und von Rockwell selbst der Rockwell 61R. Der A6500 hingegen hat acht Stellen (5 + 2 in Exponentendarstellung), bedient 20 Tasten mit einer Tastenbelegung, die mehr der des A4001 ähnelt, hat weniger Speicherfunktionen, dafür aber Klammern, und liefert das forensische Ergebnis 9.32631. Beispiele für ihn sind der Technico 55SR mit einem A6500CA und von Rockwell selbst der Rockwell 44RD (hier aber in einer Beschaltung mit anderer Tastenbelegung). Leistungsfähiger ist der A4802, der echte acht Stellen mit Exponent anzeigt (mit Unterdrückung führender Nullen im Exponenten) und das forensische Ergebnis 6.58003 zurückgibt. Er steckt z.B. als A4802CB im Technico 77SR und ist auch im Rockwell 63R zu finden.

protronic Model 212 protronic Model 212 innen Technico 55SR Technico 55SR innen Technico 77SR Technico 77SR innen

Verweise:
www.devidts.com
Der CD 602 von Serge Devidts.
www.hknebel.org
Der CD 602 von Horst Knebel.
www.vintage-technology.info
Der CD 602 von Emil Dudek.
www.uni-greifswald.de
Der CD 602 der Rechentechnischen Sammlung der Uni Greifswald.
www..iser.uni-erlangen.de
Der Privileg ESR Diplom der Informatik Sammlung Erlangen.
www.ifdesign.de
Der Eintrag des CD 602 in der IF Design-Tabelle des Jahres 1975.

Rechenkasten Technisch-Wissenschaftliche Markus Sigg, letzte Änderung: 28.8.2006, Historie