Privileg 801 - Privileg 802 - Privileg 811M - Privileg 812M

Vier weitere Tischrechner von Privileg, der 801, der 802, der 811M und der 812M von etwa 1976. Die Bedeutung der Ziffer 8 in den Namen dieser Rechner ist klar: Alle haben acht Stellen. Ebenso klar ist das M, es steht wie üblich für "Memory", und tatsächlich haben nur der 811M und der 812M einen Speicher. Diese Geräte wurden nicht ausschließlich für Privileg gebaut, sondern man findet sie auch unter anderen Markennamen wie z.B. Busicom. Erwähnung verdient hier außerdem der verwandte Fords 122PD.

Alle vier Modelle haben das gleiche gefällige Gehäuse von 23 * 18 * 8 cm (L*B*H) und wiegen etwa 900 g. Verschieden ist lediglich die Tastatur. Der 801 und der 802 unterscheiden sich nur durch die Taste π des 802 anstelle der Pfeiltaste des 801. Der 811M und der 812M haben drei Tasten für den Speicher, die dem 801 und dem 802 fehlen. Diese konnten durch Weglassen der CE-Taste untergebracht werden sowie durch das Verkleinern der großen Tasten C und = des 802. Der 811M hat eine große Taste 0 - dafür fehlt ihm die Taste für  die Konstante π. Es ist etwas erstaunlich, daß Quelle vier verschiedene Tischrechner im Angebot hatte, die sich nur so wenig unterscheiden.

Privileg 801

Privileg 801 Typenschild
Privileg 802

Privileg 802 Typenschild
Privileg 811M

Privileg 811M Typenschild
Privileg 812M

Privileg 812M Typenschild
Die Tasten C und CE beim 801 und beim 802 verhalten sich, wie man es von anderen Rechnern gewohnt ist: C setzt Rechen- und Eingaberegister zurück, CE setzt nur das Eingaberegister zurück und erlaubt so das Berichtigen des zweiten Arguments einer arithmetischen Operation.

Der 811M und der 812M haben aber keine CE-Taste. Bei ihnen wird deren Aufgabe von der C-Taste mitübernommen. Einmaliges Drücken entspricht CE, zweimaliges Drücken C. Interessant ist beim einmaligen Drücken das Verhalten der Anzeige: Das erste Argument der Operation wird nämlich ins Anzeigeregister zurückgeholt. Wenn man z.B. "1 + 2 C" tippt, hat man die 1 wieder in der Anzeige. Man kann nun entweder ein anderes zweites Argument eingeben, oder, um ganz zu löschen, nochmal C drücken.
Bei einem Überlauf leuchtet der Pfeil in der linken Anzeigestelle auf, und die Anzeige zeigt das eigentliche Ergebnis geteilt durch 108. Auch dann verhalten sich die vier Rechner unterschiedlich:


801
802
811M
812M
Schaltkreis
Texas Instruments
TMS0855NC
Sharp
LI2013
Sharp
LI2003
Sharp
LI2013
Verhalten
CE drücken: Weiterrechnen.
C drücken: Zurücksetzen.
CE drücken: Weiterrechnen.
C drücken: Zurücksetzen.
C drücken: Zurücksetzen.
C einmal drücken: Weiterrechnen.
C zweimal drücken: Zurücksetzen.

Die Pfeiltaste im Privileg 801 dient übrigens nicht, wie man vermuten könnte, einem Austauschen von Anzeige- und Rechenregister, sondern sie hat eine merkwürdige Wirkung, die man nicht in kurze Worte fassen kann. Vielleicht hat das vorliegende Exemplar auch einfach eine Störung. Wie auch immer, der TMS0855NC im Privileg 801 ist ohnehin nicht der schnellste Rechner vor dem Herrn. Bei Multiplikationen, Divisionen und insbesondere beim Wurzelziehen kann man ihm dank wild flimmernder Ziffern bei der Arbeit zusehen. Etwas störend ist auch, daß er die Anzeige ganz dunkel schaltet, während man die Taste C drückt. Beides mag ein Grund dafür gewesen sein, daß er bald durch den Sharp LI2013 ersetzt wurde. Daß dieser sowohl im Privileg 802 als auch im 812M steckt, zeigt, daß auch der 802 eigentlich einen Speicher hat, aber keine Tasten, um diesen zu bedienen.
Alle vier Rechner haben die gleiche Digitronanzeige, ein itron FG99A2, bestehend aus acht Ziffernstellen und links einer neunten Stelle mit dem Minuszeichen, einem M-Zeichen zur Anzeige eines belegten Speichers und einem Überlaufpfeil. Die Speicheranzeige bleibt beim 801 und beim 802 natürlich unbenutzt.
Privileg 812M Anzeige
Die Tastaturen sind aus jeweils drei Blöcken aufgebaut. Jede Taste besteht aus dem Tastenkopf, einer Sprungfeder und einem Plastikstößel mit darinsitzendem Stöpsel aus leitendem Gummi. Der Stöpsel verbindet zwei Kontaktpunkte auf der Tastaturplatine. So einen Tastaturaufbau findet man in den meisten Commodore-Rechnern. Der Verdacht, daß diese Privileg-Rechner oder zumindest die Tastaturen von Commodore sein könnten, ist daher nicht ganz abwegig.

Privileg 801 Tastatur Privileg 801 Tastaturplatine
Der Blick auf die Elektronik der Rechner bringt eine kleine Überraschung: Der 802 und der 812M sind völlig gleich aufgebaut, und in beiden sitzt ein Sharp LI2013. Einerseits folgt daraus, daß der 802 zwar im Grunde auch einen Speicher hat - es fehlen ihm nur die zugehörigen Tasten, zum anderen läßt sich das oben geschilderte unterschiedliche Verhalten des 802 und des 812M bei einem Überlauf nur durch eine unterschiedliche Beschaltung und Bedeutung der Tasten C und CE erklären.

Privileg 801 innen Privileg 802 innen
Privileg 811M innen
Privileg 812M innen

Verweise:
www.devidts.com
Der Privileg 802 von Serge Devidts.
www.devidts.com
Der Privileg 812M von Serge Devidts.
www.uni-greifswald.de
Der Privileg 802 der Rechentechnischen Sammlung der Uni Greifswald.
www.vintagecalculators.com
Der Busicom 802 von Nigel Tout.

Rechenkasten Zwillingsrechner Markus Sigg, letzte Änderung: 18.10.2004, Historie