Brother Procal 514 / Kling 514

Der Kling 514 von 1970, ein 14-stelliger Tischrechner mit Nixieanzeige und Speicher, ist nichts anderes als ein Brother Procal 514 - Kling selbst hat nur mechanische Rechenmaschinen gebaut. Es gab daneben noch die Modelle 412 (zwölf statt 14 Stellen, ohne Speicher) und 614 (mit zusätzlichem Drucker). Die dem Büromaschinen Lexikon zu entnehmende Preisentwicklung zeugt vom haarsträubenden Wertverfall solcher Geräte in der damaligen Zeit (Angaben ohne Mwst.):

Modell
1969/70
1970/71
1972
Procal 412
2600 DM
1990 DM
1080 DM
Procal 514
3600 DM
2990 DM
1690 DM
Procal 614

3780 DM
3450 DM

Der Procal 514 ist ein wuchtiges Teil mit Abmessungen von 38 * 27 * 13 cm (L*B*H), einem Gewicht von 4,7 kg (das Gehäuseunterteil ist aus Metall) und 20 W Leistungsbedarf. Maß und Gewicht nach zu urteilen benutzt er das gleiche Gehäuse wie der Procal 412.

Bei der Umwandlung des Brother-Rechners in eine Kling-Maschine hat man keine großen Umstände gemacht: Der Schriftzug Brother neben der Tastatur wurde einfach mit einem Schild Kling überklebt.

Brother Procal 514 Seite
Brother Procal 514
Auf der Rechnerrückseite kleben das gleiche Schild und darunter ein Typenschild von Kling, aber man hätte keinen Hinweis auf den wahren Hersteller, wäre da nicht die Lasche zum Zusammenbinden des Netzkabels mit der Aufschrift Brother. Auf der Staubschutzhülle steht ebenfalls Brother. An der Gehäuseunterseite ist vorne ein ausklappbarer Metallgriff, mit dem man den Rechner auf Spaziergängen mit sich führen kann. Bei fast 5 kg Gewicht verliert das natürlich schnell seinen Reiz.

Brother Procal 514 Typenschild Brother Procal 514 Kabel Brother Procal 514 unten
Auch die Bedienungsanleitung (hier zum Modell 412) wurde von Brother in Japan gedruckt und der Schriftzug Brother auf plumpe Weise durch Kling überklebt. Der auf dem Titelblatt zu sehende Rechner hat ein Brother-Schild, das der im Inneren der Bedienungsanleitung abgebildeten Maschine merkwürdigerweise fehlt.

Brother Procal 412 Bedienungsanleitung
Brother Procal 412 Bedienungsanleitung Brother Procal 412 Bedienungsanleitung
Brother Procal 514 Anzeige

Brother Procal 514 Tastatur
Der Procal 514 hat 14 Nixieröhren, links davon eine Vorzeichen- und Fehleranzeige und oberhalb der Tastatur eine sehr helle Lampe für den Speicher. Links von dieser befindet sich ein Rad zur Wahl von 0, 2, 4, 6 oder 8 Nachkommastellen.

An der Tastatur fallen neben der Tatsache, daß sie einen äußerst soliden Eindruck macht, zwei Dinge auf:
  • Die mit einem Pfeil beschriftete Korrekturtaste, die die rechts stehende Ziffer entfernt und die anderen nachrücken läßt.
  • Die Tasten 0 und 00 zur Eingabe von einfachen oder doppelten Nullen, die aussehen wie eine in der Mitte zerbrochene breite Taste.
Was noch erwähnenswert ist:
  • Der Rechner erkennt es, wenn zwei Zifferntasten fast gleichzeitig gedrückt werden, und faßt dies als Fehler auf.
  • Der Speicher bleibt auch dann (mit einer Null) belegt, wenn man eine Zahl speichert und dann ihr Negatives draufaddiert. Die Speicherlampe geht erst dann aus, wenn man den Speicher mit CM löscht.
  • Die Konstantentaste wirkt nur auf Multiplikationen, nicht aber auf Divisionen.
  • Der Procal 514 rechnet schnell. Auch bei Divisionen kommt das Ergebnis fast augenblicklich.
Brother Procal 514 Tastatur oben
Kommen wir zu den Innerenein. Dies ist die Tastatureinheit mit der Speicherlampe und dem Dezimalstellenrad.

Die Unterseite, wo sich die Magnetkontakte befinden, wird durch eine Plexiglasscheibe geschützt.

Die Tastaturplatine hat die Bezeichnung BP-336-1.
Brother Procal 514 Tastatur unten
Brother Procal 514 innen
Jetzt zur Elektronik. Vorne im Gehäuse, unter der Tastatur, befindet sich das Netzteil. Links sitzt der Transformator - deswegen die Lüftungsschlitze links von der Tastatur.

Die Logik ist auf vier unterschiedlich großen Platinen untergebracht, die terassenartig angeordnet und über die Rechnerrückwand miteinander verbunden sind. Die kleinste Platine (mit den Anzeigeöhren) ist ganz oben, die größte ganz unten-

In der Bodenwanne sieht man eine große rechteckige Vertiefung. Diese Aussparung ist für das Speichermodul, das an der Unterseite der untersten Platine angebracht ist (siehe später).

Brother Procal 514 Rückwand

Diese unterste Platine hat außerdem an der Vorderseite eine Kontaktleiste. Hier wird das Tastaturkabel aufgesteckt. Zwei schwarz ummantelte Leitungen gehen zum Netzschalter in der Tastatur und werden mit den beiden Kontaktlaschen rechts im Netzteil verbunden.
Die vier Platinen des Procal 514 enthalten eine Unmenge von integrierten Schaltkreisen, allesamt von Mitsubishi.

Die oberste Platine heißt BP-334-3. Hier sind die 14 Nixieröhren CD79 untergebracht, und man darf wohl annehmen, daß die 14 integrierten Schaltkreise  M5946 der Ansteuerung dieser Röhren dienen.

Brother Procal 514 Nixieröhren

Die nächsten beiden Platinen (BP-333-2 und BP-332-2) sind vermutlich für's Rechnen da.

Die unterste Platine nennt sich BP-331-4 und ist wohl für die Takterzeugung, die Tastaturabfrage und den Speicher zuständig. An ihrer Unterseite sitzt ein vernieteter Blechkasten mit der Aufschrift NEC 46A. Darin versteckt sich ein Laufzeitspeicher.

Brother Procal 514 Speicher

Schließlich noch eine tabellarische Übersicht über die Platinen und ihre integrierten Schaltkreise, insgesamt 115 Stück:


BP-334-3
BP-333-2
BP-332-2
BP-331-4
M5340



1
M5930

7
8
6
M5936

3
2
5
M5946
14
15
19
18
M5962

8
5
4
Summe
14
33
34
34

Brother Procal 514 BP-334-3

Brother Procal 514 BP-333-2

Brother Procal 514 BP-332-2

Brother Procal 514 BP-331-4

Verweise:
www.oldcalculatormuseum.com Der Brother Calther 412 von Rick Bensene. Er scheint mit dem Procal 412 übereinzustimmen.
www.vintagecalculators.com
Der Brother Calther 412 von Nigel Tout.

Rechenkasten Verschiedene Markus Sigg, letzte Änderung: 20.8.2004, Historie