General Teknika 1600

Welcome to the machine! Mit dem Teknika 1600 der japanischen General Corp. kann man kleine Kinder erschrecken. Dieses Ungetüm könnte auch in Zukunftsfilmen der Sechziger- oder Frühsiebzigerjahre mitgespielt haben. Bei 29 * 33 * 19 cm (B*T*H) wiegt der General mit Netzkabel satte 5600 g. Der empfohlene Verkaufspreis im Jahr 1971 betrug 3995 DM plus Mehrwertsteuer, und das ist schon eine ziemliche Menge Geld. Fünf Jahre später hatte er noch einen Gebrauchtwert von 60 DM. Solche Preisverfälle sind im Elektronikbereich ja auch heute nichts ungewöhnliches.

Die Tastatur sitzt im flachen vorderen Gehäuseteil, Anzeige und Elektronik in einem großen Kasten dahinter. Man ahnt schon, daß hier mehrere Platinen senkrecht eingebaut sind.

An der Gehäuserückseite befindet sich eine Kabelaufwicklung. Nett ist auch der große radförmige Schalter zum Einstellen der Nachkommastellen:

General Teknika 1600 Seite General Teknika 1600 Nachkommastellenrad

Das gleiche Rad findet man auch bei der Canon Canola 163 und ihrem Klon Monroe 990, oder auch beim Canon 141.

Von der General Corp. gibt es aus jener Zeit noch andere schöne Maschinen, etwa den Teknika 1200, Teknika 1400 und Teknika 1611.

Der 1600 hat eine sechzehnstellige Anzeige aus Elfin-Röhren. Nullen werden halbhoch angezeigt, das Minuszeichen befindet sich links von der Ziffernanzeige.
General Teknika 1600

General Teknika 1600 Typenschild
General Teknika 1600 Anzeige


General Teknika 1600 Anzeige
Mit dem Rad kann man null bis neun Nachkommastellen wählen, das Komma in der Anzeige wandert dabei entsprechend mit. Beim Eingeben von Ziffern verändert es seine Stellung nicht. Man tippt zuerst die Ziffern links vom Komma ein, die dabei  auch links vom Komma erscheinen und weiter nach links wandern. Sobald die Kommataste gedrückt wurde, kann man soviele Nachkommastellen eingeben, wie durch das Rad festgelegt ist.

Im Fehlerfall läßt der General Teknika 1600 in jeder Stelle zwei Anzeigesegmente leuchten, wie links zu sehen ist.
Der General hat noch einige Besonderheiten mehr zu bieten:
  • Er kann Ab-, 5/4- und Aufrundung.
  • Während einer Rechnung leuchtet das Minuszeichen, und die Ziffernsegmente flackern wild vor sich hin.
  • Er hat eine Quadratwurzelfunktion. Diese funktioniert aber nur bei einer Wahl von höchstens sieben Nachkommastellen. Wenn man acht oder mehr Nachkommastellen wählt, bricht die Rechnung nicht ab, sondern alle Ziffern flackern ohne Ende. Wenn man in diesem Zustand das Rad auf 7 zurückdreht, stoppt die Rechnung bei einer "zufälligen" Zahl. Es ist unklar, ob das eine Eigenschaft aller dieser Rechner ist oder nur eine Eigenart des vorliegenden Exemplars.
  • Er hat drei Speicher:
    • Der M-Speicher: Man kann mit "+M" auf ihn addieren, ihn mit "M" abfragen und mit "CM" löschen. Wenn der M-Speicher belegt ist, leuchtet das M-Lämpchen links unterhalb der Anzeige.
    • Der T-Speicher: Mit "=T" wird hineingeschrieben, mit "T" ausgelesen und gleichzeitig gelöscht. Wenn der T-Speicher belegt wurde, leuchtet das T-Lämpchen rechts unterhalb der Anzeige.
    • Der K-Speicher: Mit "->K" wird hineingeschrieben, mit "K" ausgelesen. Er ist vermutlich dazu gedacht, "Konstante" aufzunehmen, denn der General kennt keine konstanten Summanden oder Multiplikanden
  • Der M- und der T-Speicher gelten auch als belegt, wenn Null eingeschrieben wurde. Die Lämpchen gehen erst aus, wenn man den M-Speicher mit "CM" bzw. den T-Speicher durch Auslesen löscht.
  • Er beherrscht Punktrechnung vor Strichrechnung!!!
  • Die Taste "RV" ist die übliche Vertauschung von Anzeige- und Rechenregister.
Der Deckel des Anzeige- und Elektronikteils läßt sich abnehmen, wenn man sechs tiefer eingelassene große Schrauben an der Gehäuseunterseite entfernt. Innen sieht man drei in eine Halterung eingespannte Platinen mit der Logik und die Anzeigeplatine mit sechzehn Elfin-Röhren und drei Glimmlimpen für das Minuszeichen sowie den M- und den T-Speicher.

General Teknika 1600 innen
An der Rückseite befinden sich der Transformator und die Netzteilelektronik. Der Transformator ragt hinaus in das Gehäuseteil, das als Kabelaufwicklung dient. Auf der Netzteilplatine ist eine weitere Glimmlampe angebracht, die man von außen gar nicht sieht. Sehr seltsam! Vielleicht wurde diese Platine auch in anderen Teknika-Modellen eingesetzt, bei denen die Glimmlampe als Betriebsanzeige benutzt wird.

General Teknika 1600 Netzteil
Zur Tastatur: Mittels zweier weiterer Schrauben an der Gehäuseunterseite kann man die Tastatureinheit lösen. An dem Plastikrahmen der Tastatur ist ein edel schwarz emaillierter Metallrahmen mit den Tasten festgeschraubt sowie ein ebensolcher länglicher Rahmen mit dem Netzschalter, dem Rundungsschalter und dem Nachkommastellenrad. Es ist nicht ganz einfach, mit einer billigen Digitalkamera brauchbare Fotos von diesen schwarzen metallischen Teilen anzufertigen!

Die Tastenkappen kann man einfach abziehen. Wenn man zwischen Metallrahmen und Platine späht, sieht man, daß die Tasten mit Magnetschaltern arbeiten. Der Kenner hört so etwas natürlich auch.

General Teknika 1600 Magnetschalter
General Teknika 1600 Tastatur oben

General Teknika 1600 Tastatur unten
General Teknika 1600 Elektrik
Die Eingeweide des Generals sind in einem Kasten von der Größe und Gestalt eines elektrischen Brotrösters (auch unter der Bezeichnung "Toaster" bekannt) untergebracht. Die ganze Einheit wiegt allein (ohne Netzkabel) schon etwa 3250 g. Alle Bestandteile lassen sich sehr leicht ausbauen.
General Teknika 1600 Rahmen

Man findet hier drei große Platinen im hinteren Bereich, die die Rechen- und Speicherlogik enthalten, eine etwas kleinere, verdeckte Platine davor mit Treiberbausteinen für die Anzeige und die Platine mit den Anzeigeröhren an der Vorderseite. Unten wird der Kasten durch eine Trägerplatine abgeschlossen, auf die die vier Platinen mit der Elektronik aufgesteckt und dadurch verbunden sind. Diese Leiterplatte enthält selbst keine Bauteile. Sie hat auf der Vorderseite eine Kontaktleiste für den Tastaturstecker und auf der Hinterseite eine weitere Kontaktleiste, die für Testzwecke von außen zugänglich ist, wenn man eine Plastiklasche an der Hinterseite des Rechnergehäuses entfernt.

Auf der Rückseite des Rahmens sitzt das schon oben abgebildete Netzteil.
General Teknika 1600 Elfin-Röhren
Zuerst zur Anzeigeeinheit. An einem Metallrahmen sind zwei Platinen festgeschraubt, eine mit den Ziffernröhren und den Glimlampen und eine mit der Treiberelektronik.

Die Ziffernanzeige besteht aus 16 Elfin-Röhren MG-17D von Rodan, die z.B. auch im Commodore 612 verbaut wurden. Jedes der sieben Segmente einer solchen Röhre ist eine kleine Neonlampe, ebenso der Dezimalpunkt. Nach dem Einschalten des Rechners dauert es einen Moment, bis alle Lampen gezündet haben.
General Teknika 1600 Anzeigeeinheit

General Teknika 1600 Treiberplatine

Auf der Treiberplatine sieht man zwei Reihen von je acht Transistoren. Jeder davon steuert eine Stelle. Von den acht Transistoren in der Platinenmitte, unterhalb der acht gelben Kondensatoren, ist jeder für ein Segment zuständig.
Wir kommen zu den Platinen mit der Tastatur-, Rechen- und Speicherelektronik. Ganz hinten sitzt die Platine EDC-631-3 mit 49 integrierten Schaltkreisen von Mitsubishi. Es sind dies:

10  *  M5930 389
 2  *  M5932 109
 3  *  M5936 331
 1  *  M5944 059
 1  *  M5945 143
10  *  M5946 340
 8  *  M5946 382
 4  *  M5952 264
 9  *  M5962 506

General Teknika 1600 Platine 3
Auf der nächsten Platine EDC-631-2 geht es mit 47 integrierten Schaltkreisen von Mitsubishi und einem von Hitachi weiter:

21  *  M5930 440
 3  *  M5932 113
 3  *  M5936 225
 2  *  M5945 143
12  *  M5946 388
 3  *  M5953 438
 3  *  M5962 468
 1  *  9930 HD2204P 2K
Die Lötstellen sehen so aus, als ob der Hitachi-Baustein nachträglich eingesetzt worden sei. Ursprünglich war an seiner Stelle vielleicht auch ein Mitsubishi-Schaltkreis.
General Teknika 1600 Platine 2
Die vordere Platine EDC-631-1 hat mehr zu bieten. Zwar gibt es auch hier 36 Mitsubishi-Teile:

6  *  M5930 493
8  *  M5932 108
2  *  M5936 225
1  *  M5945 068
8  *  M5946 404
8  *  M5952 201
1  *  M5953 360
2  *  M5962 461

Auf allen drei Platinen zusammen haben wir also 133 integrierte Schaltkreise.

Darüberhinaus findet man auf der EDC-631-1 aber zwei ganz geheimnisvolle Sachen:
  • Oben ein flacher Quader, der aus zwei aufeinandersitzenden schwarzen Plastikkästchen mit der Aufschrift "General 3003" besteht. Jedes hat an einer Seite 14 Anschlüsse. Es ist unbekannt, was sich in diesen Kästchen befindet.
  • Darunter, in der Platinenmitte, ein flaches Bauteil mit ungefähr quadratischer Grundfläche mit vielen Anschlüssen an jeder Seite. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um einen Magnetkernspeicher. Leider ist sein Gehäuse nicht nur verschraubt, sondern auch verlötet, so daß das Innere verborgen bleiben muß.
Eines kann man jedenfalls sagen: So etwas wird heute gar nicht mehr gebaut!
General Teknika 1600 Platine 1

General Teknika 1600 Kernspeicher

Verweise:
www.cs.ubc.ca/~hilpert/eec
Die Early Electronic Calculator Technology Reference von Brent Hilpert enthält auch eine Seite über die frühen Rechnerbausteine von Mitsubishi.

Rechenkasten Verschiedene Markus Sigg, letzte Änderung: 30.8.2003, Historie