Mitsubishi MAC 121

Der MAC 121 von Mitsubishi aus dem Jahr 1971 fällt nicht nur durch seine abgerundeten Kanten und allgemein futuristische Gestalt auf, sondern vor allem durch seine Zehnsegmentanzeigen: Ziffern werden hier nicht, wie sonst bei vergleichbaren Anzeigen, durch sieben, sondern durch zehn Segmente dargestellt! Mit gut 3100 g ist der MAC 121 ein recht schwerer Brocken. Er mißt 29 * 26 * 10 cm (L*B*H) und schluckt 16 W.

Wie man an der Vergilbung sieht, mußte dieser Rechner im Lauf seiner früheren Tätigkeit als Rechenknecht einige ungesunde Sonnenbäder überstehen, und das Fenster befand sich dabei offensichtlich rechts vom Schreibtisch. Die linke Hälfte des Gehäuses ist nahezu unvergilbt.

Der MAC 121 hat eine Anzeige aus zwölf einzelnen Fluoreszenzröhren, deren jede aus zehn Segmenten für die Ziffern und einem Dezimalpunkt zusammengesetzt ist. Rechts von den Ziffernröhren befinden sich hinter roten Scheiben zwei Glimmlampen, die obere für die Überlaufanzeige und die untere für das Minuszeichen. Die ungewöhnlichen beiden senkrechten Mittelsegmente der Ziffernröhren werden nur für die Ziffern 1 und 4 benutzt. Die 1 wird dadurch schön zentriert, und man hat zwischen den Ziffern etwas kleinere Lücken als bei Siebensegmentanzeigen:

Mitsubishi MAC 121 Anzeige
Mitsubishi MAC 121
Auf dem Typenschild ist der Hersteller gar nicht vermerkt. Nur ein Aufkleber der deutschen Niederlassung auf der Rechnerrückseite verweist auf Mitsubishi.

Mitsubishi MAC 121 Typenschild
Mitsubishi MAC 121 deutscher Aufkleber
Commodore 422 und 442

Der MAC 121 wurde auch als Commodore 442 verkauft. Das damit verwandte Modell 422 entspricht dem 442, hat aber keinen Speicher. Weiter vermutlich baugleiche Rechner sind der Unicom 1200 und der Unicom 1212. So kann man sich fragen, ob es auch vom MAC 121 eine speicherlose Variante gibt. Vielleicht einen MAC 120?
Ricomac 1200 und 1212

Gebaut wurden diese Geräte wahrscheinlich von Ricoh, einer Mitsubishi-Tochter. Der  Ricomac 1212 entspricht ebenfalls dem MAC 121, und das speicherlose Modell heißt Ricomac 1200. Beide wurden 1970/71 von Neckermann angeboten.
Der Umgang mit dem MAC 121 ist erklärungswürdig. Zunächst zur Bedienlogik: Die rote und die blaue "="-Taste werden nur für Multiplikationen und Divisionen benutzt, und zwar die blaue Taste für positive und die rote Taste für negative Multiplikanden bzw. Divisoren. Für Additionen und Subtraktionen nimmt man ausschließlich die große graue Plustaste und die rote Minustaste. Man kann sich die Arbeitsweise verdeutlichen, wenn man annimmt, daß der Rechner ein  Eingabe-/Anzeigeregister A, ein Konstantenregister K, ein Rechenregister R, ein Speicherregister M, ein Multiplikationsflag m und ein Divisionsflag d hat. Dann haben die Tasten folgende Wirkungen, wobei Z für das Eingeben einer Zahl steht.

C
A := 0, R := 0, K := 0
CI
A := 0, R := 0
Z
K := A
EX
R  <> K
+
A := R := R+K, m := d := 0,
-
A := R := R-K, m := d := 0
x
R := A, m := 1, d := 0
:
R := A, m := 0, d := 1
= (rot)
A := R*K falls m=1, A := R/K falls d=1, sonst A := -A;
m := d := 0 falls CON=0;
M := M+A falls ACC=1;
= (blau)
A := -R*K falls m=1, A := -R/K falls d=1;
m := d := 0 falls CON=0;
M := M+A falls ACC=1;
Mitsubishi MAC 121 Tastatur

Dabei ist noch zu beachten, daß bei der Zuweisung K := A im Vorgang "Z" eine Dezimalkommaverschiebung gemäß dem Nachkommastellenschieber erfolgt, bei der Zuweisung R := A in den Vorgängen "x" und ":" aber nicht. Das führt z.B. dazu, daß bei der Nachkommastellenwahl 2 die (sinnlose) Tastenfolge "10 x 30 +" das Ergebnis 3010 liefert. Bei Multiplikationen und Divisionen erhält man durch Drücken einer der "="-Tasten das richtige Ergebnis mit der eingestellen Nachkommastellenzahl.

Wie ersichtlich, beeinflussen auch die Schalter CON und ACC die Arbeitsweise. Wenn der Schalter CON gedrückt ist, können wiederholte Multiplikationen und Divisionen mit dem gleichen Multiplikand bzw. Divisor durchgeführt werden. Gedrücktes ACC führt dazu, daß Ergebnisse von Multiplikationen und Divisionen automatisch im Speicher akkumuliert werden. Eine andere Möglichkeit, in den Speicher zu schreiben, gibt es nicht. Gelöscht wird er natürlich mit CM und gelesen mit RM.

Der Schalter R/O bestimmt das Rundungsverhalten. Ist er gedrückt, wird aufgerundet, sonst abgerundet.

Ein Kapazitätsüberlauf in einer Rechnung führt zum Aufleuchten der roten OVERFLOW-Anzeige, ebenso wie das Eingeben von mehr Nachkommastellen als laut Schiebeschalter erlaubt. Der Rechner wird dann durch C oder CI vollständig zurückgesetzt.
Mitsubishi MAC 121 innen
Unten im Rechner steckt die Hauptplatine, die wie eine Schublade nach hinten herausgezogen werden kann. Der blaue Stecker vorne rechts führt zur Tastatureinheit:

Mitsubishi MAC 121 Tastatur Oberseite

Das zweiadrige braune Kabel verbindet den Netzschalter in der Tastatureinheit mit dem Netzteil.

Der andere, linke blaue Stecker geht von der Hauptplatine zur Anzeigeeinheit.
Die Tastatureinheit macht auch von unten einen ausgesprochen soliden Eindruck:

Mitsubishi MAC 121 unten
Von der Seite sieht man die Magnetschalter:

Mitsubishi MAC 121 seitlich
In der hinteren Rechnerhälfte sitzt die Einheit aus Netzteil und Anzeige. Von hinten ist in der Mitte die Buchse für den Stecker mit dem zweiadrigen Kabel zum Netzschalter in der Tastatureinheit zu sehen:

Mitsubishi MAC 121 Netzteil und Anzeige hinten
Mitsubishi MAC 121 Netzteil und Anzeige vorne
Der Metallrahmen, der den Transformator und die kleine Platine mit der Netzteilelektronik trägt, kann abgeschraubt werden.  Die Anzeigeplatine ist mit dieser Platine über einen siebenadrigen Stecker verbunden. Die zugehörige Stiftleiste ist im Bild rechts zu sehen, und zwar vorne in der Mitte. Unter dem Netzteil sitzt die Anzeigeplatine mit den Röhren:

Mitsubishi MAC 121 Anzeige vorne

Hinter den Röhren die übrigen Bauteile, insbesondere ein Mitsubishi M58215 und fünf Rohm TK2801G-Bausteine (Treiber?):

Mitsubishi MAC 121 Anzeige hinten
Mitsubishi MAC 121 Netzteil



Hier die erstaunlichen Zehnsegmentanzeigen. Sie sind von NEC und nennen sich DG10EN:

Mitsubishi MAC 121 Anzeigeröhren
Mitsubishi MAC 121 Anzeigeröhre

Die "10" in der Bezeichnung verweist wahrscheinlich darauf, daß jede solche Röhre zehn Ziffernsegmente hat.
Die Hauptplatine. Sie wird, wie erwähnt, nach hinten aus dem Rechner herausgezogen:

Mitsubishi MAC 121 Hauptplatine

Mitsubishi MAC 121 Gehirn
Das Gehirn der Maschine besteht aus sechs integrierten Schaltkreisen von AMI, die mit 12001 bis 12006 durchnumeriert sind:

7102KCQ 12001
7052KAB 12002
7101KBL 12003
7105KAR 12004
7050KBW 12005
7101KAF 12006

Daneben gibt es noch folgende Bausteine von Hitachi und Toshiba:

2 * HD3107 1B
1 * HD3115 1A
4 * TM4303P
2 * TM4304P
8 * TM4306P

Im vorliegenden Rechner befindet sich auch folgender abenteuerliche Aufbau. Ob das wohl so geplant war?

Mitsubishi MAC 121 Hauptplatine Nahaufnahme

Verweise:
www.vintagecalculators.com
Der RICOMAC 1200 benutzt die gleichen AMI-Bausteine und die gleichen Anzeigeröhren wie der MAC 121.

Rechenkasten Verschiedene Markus Sigg, letzte Änderung: 9.1.2005, Historie