Sharp Micro Compet QT-8B

Hier haben wir etwas ganz feines: Das Modell QT-8B, die seltene schnurlose Ausgabe des Micro Compet von Sharp. Er kam ebenso wie der netzgebundene und abgesehen von der Stromversorgung baugleiche Micro Compet QT-8D im Jahr 1969 auf den Markt. Zwar gilt gemeinhin erst der Nachfolger Sharp EL-8 als erster Taschenrechner der Welt, aber man könnte wegen der Möglichkeit zum Batteriebetrieb und der dadurch gegebenen Ortsunabhängigkeit durchaus auch dem QT-8B diese Krone aufsetzen. Jedenfalls dürfte der Micro Compet der erste Rechenr mit spezialisierten LSI-Bausteinen sein. Der QT-8B mißt 25.5 * 13.5 * 7 cm  (L*B*H) und wiegt 1600 g. Das zugehörige Ladegerät QTA-2 bringt es mit Netzkabel auf 1 kg bei Abmessungen von 29 * 12.5 * 6.5 cm. Im Jahr 1971 war der QT-8D für 2250 DM + Mwst. zu haben.

Der Micro Compet: Kantig, funktionell, sachlich, minimalistisch. Er kommt mit nur drei Funktionstasten aus, weil er eine gemeinsame Taste für Multiplikation und Division besitzt. Drückt man nach dem zweiten Argument auf "+=", wird multipliziert, mit "-=" dividiert.

Der Einschalter sitzt rechts. An der Rückseite hat der Micro Compet einen ausklappbaren Tragegriff.

Sharp QT-8B seitlich Sharp QT-8B Griff
Sharp QT-8B mit Ladegerät Ebenso kantig und funktionell ist das Ladegerät, der Micro Compet Adaptor QTA-2. Der QT-8B hat an der Rückseite eine Buchse und wird zum Aufladen auf das QTA-2 aufgesteckt. Mit einem Hebel an der Unterseite des Ladegeräts kann man den Rechner befestigen. Während des Ladens darf man auch rechnen.
Sharp QT-8B

Sharp QT-8B Typenschild
Sharp QTA-2
Schauen wir zuerst das Ladegerät genauer an. Das ist einfach nur ein Netzteil, das 12V Gleichspannung liefert, in einem zum Micro Compet passenden Gehäuse.

Sharp QTA-2 Typenschild

Innen gibt es nicht viel zu sehen: Eine Betriebslampe (rechts vorne) und eine Platine mit Netzteilelektronik, unter der sich auch der Transformator versteckt.

Sharp QTA-2 innen
Am Rechner selbst fallen sofort noch drei Besonderheiten auf:
  • Die acht Ziffernröhren, in denen die Ziffern aus neun geschwungenen Segmenten gebildet werden. Nullen sind halbhoch. Das Minuszeichen sitzt rechts in einer weiteren Röhre.
  • Die mechanische Tastensperre. Es ist nicht möglich, zwei Zifferntasten gleichzeitig oder zusammen mit der Kommataste zu drücken. Eine sinnvolle, aber teure Einrichtung.
  • Nach dem Einschalten zeigt der QT-8B eine wilde Zahl an. Erst nach zweimaligen Drücken von "C" ist er in einem sauberen Zustand.
  • Im Fehlerfall zeigt der Micro Compet "0.0.0.0.0.0.0.0." an.
Sharp QT-8B Anzeige

Sharp QT-8B Anzeige
Sharp QT-8B innen
Der Grobaufbau des Rechners: Hinten eine Einheit mit den Batterien und der Ladeelektronik, davor eine Buchsenleiste, in der die Anzeigeplatine und die Hauptplatine stecken. Die Tastatureinheit ist an die obere Gehäusehälfte geschraubt. Wer genau hinsieht, wird die Magnetschalter finden.

Sharp QT-8B Tastatatur
Zur  Spannungsversorgung: Im hinteren Drittel des Gehäuses sitzen sechs Nickel-Cadmium-Batterien und darüber eine Platine mit Ladeelektronik.

Während der Rest des Rechners ja sehr schön aufgebaut ist und vor allem Anzeige- und Hauptplatine wahre Schmuckstücke darstellen, herrscht in der Spannungsversorgungseinheit ein furchtbarer Kabelverhau. Man kann das Zeug gar nicht ordentlich fotografieren. Ursprünglich wurde vielleicht nur an eine Netzversorgung gedacht, wie im QT-8D, wo hinten das sauber aufgebaute Netzteil sitzt, und daraus dann der QT-8B abgeleitet, indem man in den gleichen Platz die Batterien und die zugehörige Elektronik gestopft hat. Das Ergebnis überzeugt nicht. Zum Beispiel kommen auf der linken Seite der Einheit fünf Kabel heraus, die dann umständlich untenherum zur Buchsenleiste geführt werden. Die Gefahr, diese Kabel beim Zusammensetzen des Rechners zu quetschen, ist groß.

Immerhin: Die Batterien sind sogar nach so langer Zeit äußerlich noch in einwandfreiem Zustand. Natürlich halten sie trotzdem kaum noch Ladung.
Sharp QT-8B Batterien
Sharp QT-8B Buchsenleiste
Vor der Spannungsversorgung sitzt eine doppelte Buchsenleiste. Im oberen Fach steckt die Anzeigeplatine, im unteren die Logikplatine. Die linke Hälfte verbindet einfach die entsprechenden Kontakte der beiden Platinen, die rechte Hälfte verbindet die Logikplatine mit der Tastatur. Ferner laufen fünf Kabel zur Tastatur.
Die Anzeigeeinheit: Ein niedliches Teil. Neun Röhren von itron, und zwar acht Ziffernröhren DG10B und eine Röhre SP10 mit einem kleinen runden Kreis, der nicht benutzt wird, und einem Minuszeichen.

Sharp QT-8B Anzeigeröhren
Sharp QT-8B Anzeigeinheit
Schließlich die Hauptplatine mit Tastatur- und Rechenlogik, die im wesentlichen in vier integrierten Schaltkreisen von Rockwell untergebracht sind:

AC2261
NRD2256
Dazu gibt es noch einen HD3103P von Hitachi und einen Taktgeber CG2341 von Rockwell.
AU2271
DC2266

Sharp QT-8B seltsame Kabel In frühen Exemplaren des QT-8B und QT-8D findet man anstelle von AC2261/AU2271 die Schaltkreise AC2266/AU2276.




Zum Schluß noch eine Kuriosität: Aus dem Netzteil laufen drei Kabel zur Tastatur: orange, braun und weiß. Eines davon ist die Masseleitung (orange), das kann man ja noch verstehen. Aber die anderen beiden sind mit nichts verbunden. Es sieht aus, als ob da mal ein Einschalter neben der Tastatur vorgesehen gewesen wäre.
Sharp QT-8B Hauptplatine

Verweise:
www.vintagecalculators.com
Der QT-8B von Nigel Tout mit AC2266/AU2276. Hier werden auch die Funktionen der einzelnen integrierten Schaltkreise erklärt.
www.vintagecalculators.com Der QT-8D von Nigel Tout mit AC2266/AU2276.
www.devidts.com
Der QT-8D von Serge Devidts mit AC2261/AU2271.
www.devidts.com Der Facit 1115 von Serge Devidts mit AC2261/AU2271, ein Klon des QT-8D.
www.teclas.org
Der QT-8D von Daniel Sanchez mit AC2261/AU2271.
takasun-lookup.web.infoseek.co.jp/calculator
Der QT-8D von Takaharu Yoshida mit AC2261/AU2271C.
www.vintagecalculators.com
Der EL-8 von Nigel Tout, das schon wesentlich handlichere Nachfolgemodell des Micro Compet, und sein Klon, der Facit 1111.

Rechenkasten Verschiedene Markus Sigg, letzte Änderung: 15.7.2005, Historie