Toshiba BC-1624

Der BC-1624 von Toshiba kam um 1970 auf den Markt und kostete im Jahr 1972 3895 DM + Mwst. Er mißt 39 *30 * 14 cm (L*B*H), wiegt ohne Netzkabel 5.4 kg und verlangt nach 12 W Leistung.

Dieses Modell und andere mit ihm verwandte Toshiba-Rechner der BC-Reihe haben leider eine üble Schwachstelle: Die Kondensatoren, über die die Treibertransistoren der Nixie-Röhren mit der steuernden Elektronik verbunden sind, sind für eine zu geringe Spannung ausgelegt. Diese Kondensatoren geben irgendwann ihren Geist auf und schließen kurz. Dann gerät die hohe Spannung aus der Anzeigeeinheit in die Logikeinheit und kann dort schweren Schaden anrichten. Als erstes erwischt es die Bausteine TM4103 des Ringzählers, die die Nixie-Röhren steuern, und für die man heutzutage leider nicht so leicht Ersatz findet. Weiteres hierzu ist auf den Seite von Brent Hilpert über den BC-1212 erläutert.

Auch der vorgestellte Rechner leidet an dieser Krankheit. Drei der genannten Kondensatoren sowie die nachgeschalteten Dioden waren hinüber, und als Folge davon auch mindestens zwei der vier TM4103 des Ringzählers. Daher ist dieser BC-1624 zur Zeit nicht funktionstüchtig, sondern muß warten, bis irgendwann irgendwoher Ersatzteile auftauchen.

Wie man an den oben genannten Maßen und dem Gewicht schon sieht, ist der BC-1624 ein richtiger Dinosaurier. Des Gehäuse ist keilförmig, die Tastatur sitzt auf der Schräge. Der Rechner ist so hoch, weil er mehrere übereinanderliegende Leiterplatten enthält.

Toshiba BC-1624

Der BC-1624 hat 16 Stellen und zwei Speicher, Konstanten- und Prozentautomatik sowie einstellbare Nachkommastellen und Rundung.
Toshiba BC-1624
Es gibt noch leistungsfähigere Verwandte des BC-1624 im gleichen Keilgehäuse:

BC-1623
Zusätzliche Quadratwurzelautomatik, Multiplikationsergebnisse bis 31 Stellen.
BC-1623G
Mit zusätzlicher Programmierungseinrichtung.
BC-1491GR
14 Stellen, drei Rechenregister, ein Akumulator, acht Speicher, Quadratwurzel, programmierbar in 128 Schritten (über Tastatur oder optisch gelesene Programmkarten).
Toshiba BC-1624 Typenschild
Im Inneren des Rechners sieht man zunächst den Metallrahmen mit der Tastatur und die Anzeigeeinheit. Wenn man die beiden abnimmt, erscheinen darunter zwei weitere Leiterplatten. Ungewöhnlich: Der Transformator ist vorne rechts, unter der Tastatur, angebracht.

Die Tastatur ist über eine Steckerleiste mit der unteren Leiterplatte verbunden. Die Tasten arbeiten natürlich mit Magnetkontakten. Eine Wählscheibe dient zum Einstellen der Anzahl der Nachkommastellen.

Toshiba BC-1624 Tastatur

Die 16 Nixie-Röhren nennen sich NEC LD 955A. Links davon eine Überlaufanzeige und zwei Lämpchen für die beiden Speicher, rechts das Minuszeichen. Rechts hinter den Anzeigeröhren sitzt die Netzteilelektronik.

Toshiba BC-1624 Anzeigeeinheit
Toshiba BC-1624 innen

Toshiba BC-1624 innen
Vor den Nixie-Röhren sieht man die zugehörigen Treibertransistoren und 16 orangefarbene kleine Kissen. Das sind die bösen Kondensatoren.  Wie der Aufdruck zeigt, sind sie nur für bis zu 200 Volt gedacht, und das ist leider zu wenig. Drei davon haben kurzgeschlossen und die dahinterliegenden Dioden mit in den Tod gerissen. Das Auswechseln ist einfach. Hier sind die neuen, die bis zu 250 Volt wegstecken können, in augenfreundlichem Blau:

Toshiba BC-1624 neue Kondensatoren

Leider hat der Rechner durch die Überspannung weitere Schäden erlitten, die sich mangels Ersatzteilen nicht so leicht beheben lassen. Das nächste, was man reparieren müßte, wäre der Dezimalen-Ringzähler, der aus mehreren TM4103-Bausteinen gebildet wird, und dessen Ausgänge über die Dioden mit den Kondensatoren verbunden sind.
Toshiba BC-1624 alte Kondensatoren
Toshiba BC-1624 Platine 1

Toshiba BC-1624 Platine 2
Dieser Ringzähler ist auf der mittleren, kleineren Leiterplatte unten neben der blauen Buchsenleiste zu sehen. Insgesamt gibt es hier 27 TMx-Bausteine und ein paar Transistoren. Diese Platine scheint vor allem für die Takterzeugung und die Anzeigesteuerung zuständig zu sein. Vielleicht enthält sie aber auch einen Teil der Rechenelektronik. Die Platine ist über eine Buchsenleiste mit der Anzeige verbunden und über zwei seitliche Buchsenleisten mit der darunterliegenden, größeren Platine.

Auf dieser großen Platine sind ein Großteil der Rechenelektronik und außerdem die Tastaturdekodierung untergebracht. Neben 21 TMx-Schaltkreisen überrascht sie durch eine unglaubliche Zahl an diskreten Bauteilen, vor allem Dioden. Diese bilden mit ihren grün isolierten Beinchen einen richtigen Wald:

Toshiba BC-1624 Diodenwald

Bei so vielen Bauteilen braucht es einen nicht zu wundern, daß dieser Rechner damals über 4000 DM gekostet hat.


Verweise:
www.cs.ubc.ca/~hilpert/eec
Die Seite von Brent Hilpert über den Kondensatorenfehler am Beispiel eines BC-1212.
www.teclas.org
Der BC-1623 von Daniel Sancho, vermutlich auch ein Opfer durchgeschlagener Kondensatoren.
www.vintagecalculators.com
Der BC-1623G von Nigel Tout.

Rechenkasten Verschiedene Markus Sigg, letzte Änderung: 6.9.2004, Historie